Natur in dir

Anlässlich des 10jährigen Bestehens der Draussen-Aktiv-Touren des Vereins lebensmut am Klinikum Großhadern hat mich, Monika Ludwig, die Redakteurin des Vereinsmagazins gefragt: „Kannst du in Worte fassen, was die Natur mit dir macht?“

Eine Frage, die ich nun seit Stunden mit mir im Herzen trage und noch nicht weiß, wie ich sie kurz und knapp beantworten kann, denn Natur macht so viel mit mir und ist so vielschichtig. Natur ist so symbolisch. Die Natur hilft mir, mich besser zu fühlen und Dinge um mich herum besser zu verstehen und noch mehr wertzuschätzen.

Ich hab die Frage losgelassen und mich treiben gelassen. Dabei ist mir in meinen Aufzeichnungen meiner Yogalehrerausbildung eine Randnotiz über Wildgänse in die Hände gefallen und ich habe versucht herzufinden, warum ich mir neben meine philosophischen Notizen diesen Link gemacht habe und es ist mir wieder eingefallen!

Mary Jane Oliver war eine US-amerikanische Dichterin und Pulitzer-Preisträgerin, die Anfang diesen Jahres verstorben ist. Sie hat ein Gedicht geschrieben über Wildgänse.

Wildgänse (Mary Oliver)

Du brauchst nicht gut zu sein.
Du brauchst nicht Hunderte von Meilen
Reuevoll auf Knien durch die Wüste zu rutschen.
Du brauchst bloß das kleine weiche Tier deines Körpers
Lieben zu lassen, was es liebt.
Erzähl mir von Verzweiflung, deiner, und ich erzähle dir von meiner.
Derweil nimmt die Welt ihren Lauf.
Derweil bewegen sich die Sonne und die klaren Kiesel des Regens
Durch die Landschaften,
über Prärien, die tiefen Bäume,
die Berge und Flüsse.
Derweil ziehen die wilden Gänse hoch in der klaren, blauen Luft
Wieder heimwärts.
Wer immer du bist, gleich, wie verlassen,
die Welt bietet sich deiner Phantasie dar,
ruft dich wie die wilden Gänse, mit rauer, aufregender Stimme –
immer wieder, und verkündet dir deinen Platz
in der Familie aller Dinge.

Dieses Gedicht beschreibt unser aller Sehnsucht dazuzugehören. Mit all unserer Körperlichkeit, unseren Gebrechen, aber auch mit all unseren Emotionen gesehen zu werden und dabei Teil des Ganzen zu sein.

Und gleichzeitig ist es der Ruf der Natur, der uns einlädt dazuzugehören zur Welt aller Dinge. Der aufregende Schrei der Wildgänse, vor allem wenn sie im Frühjahr zurückkehren, ist sehr kraftvoll. In der keltischen Mythologie bzw. bei den keltischen Christen waren die Wildgänse auch heilige Vögel (Heiliger Geist) und stehen sinnbildlich für alles was uns verbindet.

Und wenn es die Wildgänse nicht sind, dann ist es vielleicht die Praxis auf der Yogamatte, ist es der Ruf des Murmeltiers im alpinen Gelände, der Steinbock oder das miauende Kätzchen ums Eck, das uns zurückholt aus unserem persönlichen „Mindfuck“-Kinofilm, in dem wir ständig die Hauptrolle spielen. Wir sind nicht der Nabel der Welt – da ist so viel mehr. Und oft braucht es einen Regenguss oder eine stürmische Böe oder einen Sternenhimmel, um uns wieder daran zu erinnern, dass da so viel mehr ist und wir Teil eines großen Ganzen sind.

Im Yoga gibt es das Anjali Mudra. Es ist eines von unendlich vielen verschiedenen Hand-bzw. Fingerzeichen, die auch bei verschiedenen hinduistischen Ritualen genutzt werden. In Indien ist Anjali Mudra oft begleitet durch den Gruß Namaste , was soviel bedeutet wie: Das Licht in mir sieht oder grüßt das Licht in dir.

Man könnte auch sagen: „Ich sehe die Natur in mir und in Dir.“

Was macht die Natur mit dir? Wie würdest du diese Frage beantworten?

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