Den, der Yoga(sucht)

Süchtig nach Yoga? Ja das war ich mal. Nach dem Gefühl, das sich nach dem Üben einstellt. Der äußeren Aufrichtung, der inneren Ausrichtung. Es war gut, dass Yoga in meinem Leben eine Notwendigkeit eingenommen hat, wie das Zähneputzen und somit phasenweise alte destruktive Gewohnheiten durch neue hilfreiche Gewohnheiten ersetzt hat.

Sich nach einem anstrengenden Tag mehr nach Yoga, als nach einfach nur rumliegen oder ins Leere starren zu sehnen – soweit das mit mehreren Jobs, Kindern, Haustieren und Schwiegereltern etc. möglich ist, an dem Punkt war ich schon öfter. Dann kann man sich gratulieren, dann hat der Yoga das Gehirn neu verschaltet, zumindest auf einer kleinen „Ebene“. Solange man auch noch ausgeglichen sein kann, wenn man mal nicht üben kann, ist alles noch im Rahmen. Wenn man durchdreht, wenn plötzlich nichts mehr geht, dann geht es in Richtung „Yogasucht“.

Ich kenne sowas auch vom Laufen. Irgendwann wird der Grad hin zur Laufsucht aber ganz schmal. Im Yoga zeigt es sich, wenn man wie getrieben Asanas übt, um sie einfach perfekt zu beherrschen. Wenn der Yoga also mehr zu einem Aneignen von Asanas wird und (immer) weniger zur Reise der Selbstwahrnehmung, dann wird das der tiefen spirituellen Absicht des Yoga nicht mehr entsprechen. Es gleicht mehr einem „Höher, Besser, Weiter Spiel“. (Wer kann die meisten Asanas und dann auch noch perfekt?)

Wenn Asanas im Fokus stehen, man getrieben, wie ferngesteuert, süchtig nach Yogaposen wird, dann passiert es leicht, dass man die Yogapraxis nicht wirklich als eine Chance begreift, alte Muster und Strukturen zu verlassen. Im Gegenteil könnte es bestehende (einschränkende ?) Denkweisen aus der Vergangenheit sogar noch verstärken.

Die Posen, die am schwierigsten sind, bieten den klarsten Einblick in deinen gegenwärtigen Gemütszustand. (Was für Gedanken gehen Dir durch den Kopf, wenn du z.B. eine klassische Umkehrhaltung probierst? Wie fühlst du dich? Welche Glaubenssätze kommen da hoch? „Ich war noch nie gut in Turnen“. Vielleicht merkst du eine passive aggressive Haltung in Dir und suchst den Rückzug, hast Angst es nicht zu schaffen und so aufzufallen? Was du am Rande der Komfortzone tust, transportiert deine tiefsten Annahmen und Muster von dir an die Oberfläche. Deshalb fühlt sich Yoga auch nie nur gut an, ist auch mal (heraus)fordernd. Was der Lehrer nicht weiß, du dafür viel besser, wann etwas nicht mehr machbar scheint, man Angst bekommt. In dieser Panikzone solltest du nicht lange verbleiben. Aber so ein Zustand zwischen Angst und Langeweile, der ist ideal. Mihaly Csikszentmihalyi nennt es auch Flow. Er ist der Urheber auf den dieser Begriff zurückgeht.

Dazu kommt, wenn du wie besessen an den Haltungen „arbeitest“, denkst du vielleicht nicht allzu oft an eine gesunde Vorbereitung oder Technik?! Zu viel Fokus auf die Asanas versperrt uns die Sicht darauf, wie wir unseren Körper intelligent nutzen können. Das erfordert nämlich absolute Präsenz, Selbstachtsamkeit.

Wenn du dich auf neue Weise bewegen willst, musst du auch lernen, auf neue Weise zu denken.

Betrachte doch den Yoga als deine persönliche Revolution, mit der du versuchst dich zum Umlernen bzw. Umdenken zu bewegen. (Das ist eine gute Taktik, wenn man mit Machtmenschen umgehen möchte. Entweder einen großen Bogen machen oder dagegen rebellieren. Und der Yoga, dem du dich nur widmest, um ausschließlich Asanas bis zur Perfektion zu „trainieren“ hat auch eine gewisse Macht auf Dich. Übe nicht Asanas, um besser in der Asana zu werden, sondern nutze sie als „Werkzeug“, um in tiefere Bereiche deines Körpers und Geistes einzutauchen. Die einzigartige Kombination aus Atem und Bewegung ermöglicht es dir, dich in das Betriebssystem deines Geistes zu hacken und neue Updates vorzunehmen. Statt auf die Tasten zu hämmern und alles von der Festplatte zu schmeißen, was nicht passt oder sich falsch anfühlt, bekommst du damit die Chance eine neue Art, eine neue Seite des Seins zu praktizieren – die Seite – mit sich selbst in Frieden zu sein.

Es ist nichts verkehrt daran immer wieder die Komfortzone zu verlassen und tiefer in eine Haltung einzutauchen, zu fühlen, wie sie sich durch regelmäßiges Üben komfortabler oder ökonomischer anfühlt. Doch mache das auf intelligente Art und Weise.

Ich habe mich einmal eingelassen auf das Spiel „Höher, Besser, Weiter“. Es passiert leichter, als man glaubt, wenn man zum Beispiel nur in einer Gruppe mit Yogalehrern übt. Jeder muss da immer wieder sein Ego im Zaum halten. Ich wollte nur einmal ein wenig weiter und mehr von dem Spirit fühlen, den mir die Master-Lehrerin versprochen hat, obwohl mein Körper mir ein zwar leises, aber eindeutiges „STOP“ hingehalten hat. Der Preis waren und sind mehrere Bandscheibenvorfälle, die mir die Lust auf Yoga regelmäßig verdorben haben. Mit jedem neuen Anlauf hat mir mein Körper gezeigt, so nicht. Auch die intelligente Vorbereitung alleine hat nicht ausgereicht. Erst als ich begonnen habe, innerlich Frieden mit meinem Körper und seinen Schmerzen zu schließen, war es möglich die Reise wieder fortzusetzen. Das ist jetzt fast zwei Jahre her und erst heute habe ich es nicht nur rational, sondern auch auf körperlicher Ebene verstanden, in Form von „gefühlt“.

Körperwahrnehmung, Selbstverantwortung und intelligentes Üben und Hinführen in die Zielhaltungen, die außerhalb deiner Komfortzone liegen, ist der Weg, den ich dir auf deiner Yogareise zeigen kann. Mit meinen Kenntnissen aus meinem sportwissenschaftlichem Studium und der Sporttherapie versuche ich Tradition und Moderne miteinander zu verbinden und so zu verpacken, dass du dich sicher auf Reise nach deinem Zuhause in Dir machen kannst.

Namaste Silke

1 Kommentar zu „Den, der Yoga(sucht)

  1. Ein Wahnsinns-Thema! Echt Klasse beschrieben. Habs auf FB mal geteilt.

    Liebe Grüße, Petra

    Petra Carlile

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    Petra Carlile

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    81825 München

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