Yoga in der Quarantäne

Ich beschäftige mich seit fast 10 Jahren mit Achtsamkeit. Ich lese Bücher, schaue Filme, höre Podcasts, schreibe Tagebuch, besuche Lehrer, nehme an Schweigeretreats teil und habe es mir sogar persönlich auf meine Fahne geschrieben, dass zuhause und beruflich wirklich in den Vordergrund zu stellen. Es gibt auch ein paar schöne Definition von Achtsamkeit:

Zu wissen, was du erlebst, während du es erlebst“, Guy Armstrong 

Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen. Diese Art der Aufmerksamkeit steigert das Gewahrsein und fördert die Klarheit sowie die Fähigkeit, die Realität des gegenwärtigen Augenblicks zu akzeptieren. Jon Kabat-Zinn

„Gewahrsein des gegenwärtigen Augenblicks mit einer akzeptierenden Haltung.“ Christopher Germer

Zur Zeit merke ich, dass ich ganz weit davon weg bin, weil ich mal kurz ganz weit weg war!

Ich bin eine Baustellenflüchtige. Ich habe meine Kinder geschnappt, sie in den VW Bus gesetzt und bin mit ihnen nach Italien ans Meer gefahren! Wir haben wie die Ölsardinen im Bus geschlafen, konnten kein Fenster öffnen, wegen der Mücken, aber ansonsten waren wir die restliche Zeit nur draußen und hatten im Grund keine sozialen Kontakte! Es war ein Traum – rückblickend! Auch die Heimreise. Ein Badestop am Faaker See in Kärnten. Gut gelaunt bis zur Coronateststation Hochfelln am Chiemsee. Ich wollte alles richtig machen. Ich bin ja schließlich Lehrerin und es war klar, dass ich mich nach dem Urlaub vorsichtshalber testen lasse (Glaubenssatz: Immer alles richtig machen, Rechtsbewusstsein…blubb,blubb,blubb.). Das Ergebnis war ernüchternd! Mein Jüngster war positiv! Damit galten für ihn 10 Tage Quarantäne! Dumm nur, dass ein 5jähriger sich nicht alleine versorgen kann und wir daheim aufgrund unser Baustellensituation im Haus uns nicht separieren können! Ab dem 11. Tag war mein Sohn aus der Quarantäne entlassen. Für den Rest der Familie begann ab diesem Tag die 14tägige Quarantäne. Das macht also insgesamt 24 Tage! Zwischenzeitlich haben wir neue Tests vorgelegt. Wir sind alle negativ. Sogar mein Sohn war noch während seiner „Ansteckungsphase“ negativ! Was wir an der Teststation erlebt haben, möchte ich hier nicht schildern. Wir zweifeln auf jeden Fall an der Glaubwürdigkeit dieses Testergebnisses.

Bislang habe ich vor Frust nicht auf die Yogamatte gefunden. Ich versuche zu meditieren. Ich fühle mich dabei gerade als blutiger Anfänger. Meine Gedanken kreisen nur noch um das eine Thema. Freiheitsentzug!

Dabei ist mir eine Geschichte eingefallen, die ich vor einiger Zeit gelesen habe. Ich finde sie passt an dieser Stelle ganz gut.

In einem Dorf in China, nicht ganz klein, aber auch nicht gross, lebte ein Bauer – nicht arm, aber auch nicht reich, nicht sehr alt, aber auch nicht mehr jung, der hatte ein Pferd. Und weil er der einzige Bauer im Dorf war, der ein Pferd hatte, sagten die Leute im Dorf: „Oh, so ein schönes Pferd, hat der ein Glück!“

Und der Bauer antwortete: „Wer weiß?!“

Eines Tages, eines ganz normalen Tages, keiner weiß weshalb, brach das Pferd des Bauern aus seiner Koppel aus und lief weg. Der Bauer sah es noch davongaloppieren, aber er konnte es nicht mehr einfangen. Am Abend standen die Leute des Dorfes am Zaun der leeren Koppel, manche grinsten ein bisschen schadenfreudig, und sagten: „Oh der arme Bauer, jetzt ist sein einziges Pferd weggelaufen. Jetzt hat er kein Pferd mehr, der Arme!“

Der Bauer hörte das wohl und murmelte nur: „Wer weiß?!“

Ein paar Tage später, sah man morgens auf der Koppel des Bauern das schöne Pferd, wie es mit einer wilden Stute im Spiel hin und herjagte: sie war ihm aus den Bergen gefolgt. Groß war der Neid der Nachbarn, die sagten: „Oh, was hat der doch für ein Glück, der Bauer!“

Aber der Bauer sagte nur: „Wer weiß?!“

Eines schönen Tages im Sommer dann stieg der einzige Sohn des Bauer auf das Pferd, um es zu reiten. Schnell war er nicht mehr alleine, das halbe Dorf schaute zu, wie er stolz auf dem schönen Pferd ritt. „Aah, wie hat der es gut!“ 

Aber plötzlich schreckte das Pferd, bäumte sich auf und der Sohn, der einzige Sohn des Bauern fiel hinunter und brach sich das Bein, in viele kleine Stücke, bis zur Hüfte. Und die Nachbarn schrien auf und sagten: „Oh, der arme Bauer: Sein einziger Sohn!

Ob er jemals wieder wird richtig gehen können? So ein Pech!“

Aber der Bauer sagte nur: „Wer weiß?!“

Einige Zeit später schreckte das ganze Dorf aus dem Schlaf, als gegen Morgen ein wildes Getrappel durch die Straßen lief. Die Soldaten des Herrschers kamen in das Dorf geritten und holten alle Jungen und Männer aus dem Bett, um sie mitzunehmen in den Krieg. Der Sohn des Bauern konnte nicht mitgehen. Und so mancher saß daheim und sagte: „Was hat der für ein Glück!“

Aber der Bauer murmelte nur: „Wer weiß?!“

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